Posts tagged ‘Schmerzen’

11. Juli 2015

Bewusstsein und die Definition des Todesaugenblicks

von kinesiana

„Dr. Klaus Volkamer im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt.

Wann ist ein Mensch wirklich tot? Was hat die Feinstofflichkeit mit Transplantation und Organspende zu tun?

Spannende Sichtweisen vom Wissenschaftler Dr. Klaus Volkamer im Interview mit Michael Friedrich Vogt.

 

25. September 2012

Schmerzempfinden bei Hirntoten?

von kinesiana

JenaFoto24 Pixelio.de

Auch wenn es kein Mensch wissen kann, wird immer wieder behauptet, dass ein hirntoter Mensch tot sei und keine Empfindungen mehr haben kann.

Ehrlicherweise bezog der im Jahr 2000 geschäftsführende Arzt der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) Prof. Dr. med. W. Lauchert Stellung in einem Schreiben an die Pastorin Ines Odaischi:

 »Es ist in der Tat nicht zu belegen,  daß eine für himtot erklärte Person tatsächlich über keinerlei Wahrnehmungsvermögen, insbesondere Schmerzempfindlichkeit, verfügt.«


Sollte diese Aussage nicht nachdenklich machen?

Quelle: http://www.subventionsberater.de/sterben/pathoi.html

19. September 2012

Verzicht auf Schmerzbekämpfung bei potentiellen Organspendern zugunsten der Organentnahme

von kinesiana

Bei der Diskussion um die Novellierung des Transplantationsgesetzes bleibt ein heikler Punkt unerwähnt: die Konditionierung der potentiellen Organspender vor der offiziellen Hirntoddiagnose, d.h. zu einem Zeitpunkt, an dem sie auch rechtlich gesehen noch als
Lebende gelten. Darf beim bloßen Verdacht auf Hirntod schon auf Schmerzmittel verzichtet werden? Hat der potentielle Organspender nicht mehr das Recht auf eine Behandlung, die seinem eigenen Wohl dient? Ist es medizinisch und juristisch zu verantworten, dass es zu diesem Zeitpunkt vorwiegend um die Logistik der geplanten Organentnahme geht?

Der fachliche Hintergrund:

Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie Muskelrelaxantien müssen im Körper des potentiellen Spenders abgebaut sein. Erst dann kann eine Hirntoddiagnostik durchgeführt werden, da diese Medikamente die Ergebnisse der Hirntoddiagnostik verfälschen. Der Patient kann nicht für tot erklärt werden, eine Organentnahme ist so rechtlich nicht möglich. Für die behandelnden Ärzte eine Gewissensfrage. Sie geraten in eine Zwickmühle. Denn einerseits müssen Schmerz- und Beruhigungsmittel vor der offiziellen Hirntoddiagnostik abgebaut sein, anderseits scheuen sich verantwortungsvolle Ärzte, bei „bloßem Verdacht auf Hirntod“ aus fremdnützigen Motiven die Schmerzmitteltherapie einzustellen. Das aber ist unumgänglich, wenn eine Hirntoddiagnostik mit anschließender Organentnahme geplant ist. Einige Kliniken lösen diesen Konflikt sehr pragmatisch zugunsten der Organspende: So empfehlen die Anästhesisten PD Dr. Marco Gruß und Prof. Markus A. Weigand von der Universitätsklinik Gießen in den Handreichungen für das Klinikpersonal, Zitat:

„Bereits ab dem Zeitpunkt des Verdachts auf Hirntod sollte man auf jegliche sedierende(n) Medikamente, Opiate und Muskelrelaxanzien verzichten. Zur Durchführung der Hirntoddiagnostik müssen Medikamentenwirkungen (nach den Richtlinien der Bundesärztekammer) sicher ausgeschlossen sein.“

(Intensivmedizin up 2 date 6/2010, S. 115).

Ein „Verdacht auf Hirntod“ reicht also aus. Wie viel Zeit wird dem potentiellen Spender für eine nur auf sein persönliches Wohl ausgerichtete adäquate Behandlung gewährt? Welche Wartezeiten müssen eingehalten werden, bis der Verdacht auf Hirntod zu Lasten des Patienten therapeutische Konsequenzen haben darf? Wie wird der Verdacht auf Hirntod verifiziert? Welche Kompetenz in der Einschätzung des Hirntodes muss ein Arzt haben, um bei einem bloßen „Verdacht“ für den Patienten derart schwerwiegende Entscheidungen zu treffen? Was zählt mehr? Die Fürsorge für einen komatösen Patienten im Todeskampf oder eine reibungslose, zeitnahe Organentnahme zugunsten des Organempfängers? Eine Gratwanderung und eine rechtliche Grauzone, über die im Vorfeld der Gesetzgebung diskutiert werden muss.
Wie brisant der gesamte Komplex rund um Hirntoddiagnostik und Organentnahme ist, zeigt eine Studie aus Niedersachsen, die in Fachkreisen für Aufsehen sorgte: Eine seriöse Hirntoddiagnostik setzt viel Erfahrung und ein umfangreiches Fachwissen voraus. Dieses
Fachwissen aber scheint nicht in jeder Klinik vorhanden zu sein. Das zumindest beklagte der Präsident der leitenden Krankenhausärzte 2006 im Dt. Ärzteblatt. Er kritisierte die drastische  Reduzierung fester, mobiler  Spezialistenteams für die Hirntoddiagnostik aus Kostengründen.
Stattdessen würden von der Dt. Stiftung Organtransplantation (DSO) von Fall zu Fall niedergelassene Neurologen „im Lassoprinzip“ hinzugezogen, denen es nicht selten an genügend Erfahrung bei der Hirntoddiagnostik mangele. Die Dt. Stiftung Organtransplantation bestritt derartige Vorwürfe vehement. Dabei kam der erfahrene HirntodExperte Prof. Hermann Deutschmann zu ähnlich alarmierenden Einschätzungen. Der Neurologe untersuchte im Auftrag der DSO,wie treffsicher die Hirntoddiagnostik in den
Kliniken der Region sei. Das Ergebnis ist brisant und sollte vor allem den politisch Verantwortlichen in Berlin zu denken geben, Zitat:

„Nicht selten werde zudem der Hirntod von Ärzten in kleineren Krankenhäusern
fälschlicherweise vermutet oder nicht exakt nach den Regeln der Bundesärztekammer
festgestellt. Das Team der Dt. Stiftung Organtransplantation aus Niedersachsen etwa
habe bei knapp 50 Untersuchungen in 21 Fällen den Hirntod nicht sichern können.“

(Dt. Ärzteblatt 2006 ; 103(19): Thimo Blöß: Organspende-Stiftung in der Kritik)

Das heißt, über ein Drittel der Hirntod-Diagnosen waren falsch. Und die potentiellen Organspender haben wahrscheinlich Stunden vor und nach der fehlerhaften Hirntoddiagnostik keine schmerzstillenden Medikamente mehr bekommen.

Es wäre ein Gebot der Fairness, spendewillige Bürger oder ihre Angehörigen über die medizinischen Notwendigkeiten und ethischen Fallstricke bei der Organspende zu informieren. Nur so ist für jeden Einzelnen eine Güterabwägung und damit eine tragfähige
Entscheidung für oder gegen Organspende möglich. Ansonsten wird das Unwissen gutwilliger Menschen ausgenutzt.
Diskutiert werden muss auch, in welcher Diskrepanz oft Patientenverfügungen und die Bereitschaft zur Organspende stehen. Viele Bürger wünschen sich bei infauster Prognose einen schrittweisen Therapieabbruch, verbunden mit einem sanften, schmerzfreien Tod,
begleitet von den Angehörigen. Das aber ist bei einer Organentnahme nicht möglich.
Organspende bedingt für den Spender medikamentöse und apparative Maximaltherapie, das heißt den Einsatz aller Möglichkeiten der High-Tech-Medizin, bis die Entnahmeoperation  abgeschlossen ist. Das kann Stunden, aber auch Tage dauern. All das muss der spendenwillige Bürger wissen. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, im geplanten Transplantationsgesetz endlich klarere und transparentere Regeln zu schaffen. Die Gesellschaft hat ein Anrecht auf seriöse, lückenlose Aufklärung, bei der die heiklen Punkte nicht wie bisher ausgeklammert werden.

Ergänzende Literatur: Dt. Ärzteblatt 2011; 108(40)
Schöne-Seifert, Bettina: Präfinale Spenderkonditionierung: ethische  Fragen

Ergänzung zum offenen Brief an die Bundeskanzlerin: Kritische Fragen zu Hirntod und Organspende – Dr. med. Regina Breul

http://www.organspende-aufklärung.de/offener-brief/
http://www.diagnose-hirntod.de/wp-content/uploads/2012/01/Schmerzmittelverzicht-bei-Organspende.pdf

14. Juni 2012

Können Hirntote Schmerzen empfinden?

von kinesiana

Die ehemalige Krankenschwester Alexandra Manzei behandelte 15 Jahre lang Komapatienten. Den Umgang mit „Hirntoten“ konnte sie nicht länger ertragen und spircht heute als Soziologieprofessorin öffentlich über die Themen Hirntod und Organspende.

Thommy Weiss pixelio.de

Frau Prof. Manzei spricht also nicht nur theoretisch, sondern aus ihrer persönlichen langjährigen Erfahrung heraus, wenn sie beschreibt, dass klare Schmerzreaktionen wie Blutdruckanstieg, Schwitzen, Zucken und Gesichtsrötungen nicht nur zufällig auftreten, sondern regelrecht ausgelöst werden können. Wenn der Bauchraum zur Organentnahme geöffnet wird steigen Blutdruck und Herzfrequenz schlagartig an, obwohl den „Hirntoten“ in einigen Fällen Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreicht werden. Diese Maßnahme erfolgt aber vor allem zugunsten des Personals und damit während der Organentnahme keine reflexartigen Bewegungen ausgelöst werden.

Das Interview ist hier nachzulesen:

http://www.berliner-zeitung.de/politik/organspende-reform-im-bundestag-wer-noch-warm-ist–ist-nicht-tot,10808018,16092604.html

14. Juni 2012

Organspende – verschwiegenes Leid

von kinesiana

Dieser medizinische „Fortschritt“ hat auch zu einem anderen Umgang mit dem Sterben geführt. Rückt bei einem Menschen im Krankenhaus der Tod näher, ist es nun nicht mehr das Hauptgebot der Stunde, ihm bzw. seiner Seele beim Hinübergehen in die jenseitige Welt liebevoll zur Seite zu stehen. Sondern es werden in dieser Zeit, wo immer dies möglich ist, die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um die Entfernung seiner Organe vorzubereiten.

viaOrganspende: Verschwiegenes Leid bei einer Organtransplantation trotz Narkose / Hirntod ist nicht Tod. Der Hirntote ist nicht tot, er wird getötet / Organspende ist keine Nächstenliebe / Risiko und Gefahren für Organspender und Organempfänger / Kritik an der Organtransplantation.

Quelle:

Zeitschrift „Der Theologe“, Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 17: Organtransplantation – Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger, Wertheim 2005, zit. nach http://www.theologe.de/theologe17.htm, Fassung vom 28.5.2012

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1. Juni 2012

Wie tot sind Hirntote?

von kinesiana

Sabine Müller beschreibt auf der Homepage des Deutschen Bundestages, dass bei 2 von 30 hirntoten Spendern bei der Explantation Stressreaktionen auftreten, die gleichen physiologischen Reaktionen, wie sie bei starken Schmerzreizen beobachtet werden.

Blutdruck und Puls steigen sprunghaft an, ebenso die Konzentration der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Dies zeigte eine Untersuchung von Hans-Joachim Gramm et al. (Vgl. Hans-Joachim Gramm et al., Hemodynamic responses to noxious stimuli in brain-dead organ donors, in: Intensive Care Medicine, 18 (1992) 8, S. 493ff.)

In Deutschland ist eine apparative Zusatzdiagnostik (EEG, Doppler-Sonografie u. a.) nur unter besonderen Umständen vorgeschrieben, um die Unumkehrbarkeit des Hirntodes, die Irreversibilität, nachzuweisen.

Quelle: http://www.das-parlament.de/2011/20-21/Beilage/001.html