Archive for April, 2013

30. April 2013

Darf man einen Organspender bei aussichtsloser Prognose anders behandeln als man es ohne die geplante Spende täte?

von kinesiana

Stellen Sie sich bitte vor, dass ein junger Mann mit schweren Schädelverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Dort werden mit CT-Aufnahmen Hirnblutungen festgestellt, bei einer Kontrollaufnahme einige Stunden später haben diese sich noch ausgeweitet. Der Blutdruck ist stabil, der Hirnstamm also noch teilweise aktiv, da der Kreislauf dort reguliert wird. Die Pupillen zeigen keine Reaktionen mehr auf Lichteinstrahlung. Durch die fortschreitende Blutung ist die Diagnose infaust und die Eltern gehen davon aus, dass ihr Sohn unter diesen Umständen nicht weiter am Leben gehalten werden möchte.

Doch was ist in diesem Fall zu tun? Eigentlich möchte der Sohn nach Aussage der Eltern unter den aussichtslosen Bedingungen sterben, einen Organspendeausweis besitzt er nicht. Sollen sie zustimmen, dass er so lange weiter beatmet wird, bis der Hirntod getestet werden kann, damit er Organe spenden kann?

Darf man einen potentiellen Organspender anders behandeln als man es ohne die Option der Organentnahme getan würde?

Weiter gedacht: Dürfte man einen Organspender im Falle eines Herzversagens sogar reanimieren, auch wenn seine Prognose völlig hoffnungslos ist und die Wiederbelebung nur der Ermöglichung der Organentnahme dient?

Hier geht es zum Positionspapier: http://campus.uni-muenster.de/fileadmin/einrichtung/egtm/pbsurvey/GTE/WS_2011/BSS_ST_red_27.09.Schoene-Seifert_et_al.Positiospapier.pdf

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25. April 2013

Projekt Prometheus

von kinesiana

Das russische Militär hat sich zum Ziel gesetzt, noch in diesem Jahr mit der „Wiederbelebung“ einer Leber zu beginnen. Natürliche Organe und Gewebe sollen rekonstruiert werden mit dem Ziel der „Lebensrettung im Fall des Verlusts lebenswichtiger Organe aufgrund von Verletzungen, Infektionen oder bösartigen Tumoren“.

Es wird auch an der Möglichkeit gearbeitet, fertig konstruierte Organe möglichst lange lagern zu können.

Quelle: http://de.ria.ru/science/20130424/266001970.html

 

25. April 2013

Organempfänger übernehmen die Vorlieben der Spender

von kinesiana

Gibt es tatsächlich ein Zellgedächtnis?

Viele Menschen berichten darüber, dass sie nach Empfang eines Spenderorgans merkwürdige Vorlieben entwickelten: sie entwickeln ungewohnte neue kulinarische Vorlieben, lesen andere Bücher und in einem Fall habe sich sogar die Blutgruppe der Empfängerin verändert.

Das Leben ist Veränderung, dennoch ist es auffällig, dass die Vorlieben und spezifischen Ängste des Organspenders mit übernommen werden, die vor dem Empfang des Spenderorgans nicht vorhanden waren. Sind das alles Zufälle?

Forscher sprechen vom sogenannten Zellgedächtnis, das diese Phänomene erklären könnte.

Quelle: http://eggetsberger-info.blogspot.de/2013/04/nach-transplantation-empfanger.html

22. April 2013

Spiegelartikel von 1968 zum Thema Hirntod und Organspende

von kinesiana

Bereits im Jahr 1968 gab es Kontroversen zur Organspende. Der Transplanteur Barnard erklärte seine Haltung  mit den allseits bekannten Argumenten, dass dem Spender nicht mehr geholfen, das Leben des Empfängers jedoch gerettet werden könne.

Bereits 1964 wurde in England ein nach einer Schlägerei tödlich verletzter Mann eingeliefert, reanimiert und anschließend beatmet. Nach englischem Gesetz war dieser Patient am Leben. Nach 24 Stunden entfernte man ihm eine Niere und transplantierte sie einem anderen Patienten – nach der Organentnahme wurde die Beatmung abgeschaltet.

Kritiker befürchteten laut diesem 45 Jahre alten Spiegelartikel jedoch Organhandel auf dem Schwarzmarkt, Meuchelmorde und Ärzte, die voreilig zu den Herzen noch nicht gestorbener Patienten greifen könnten.

Als Ausgleich hierzu befürwortete Prof. De-Bakey bereits zu jener Zeit die Konstruktion automatischer Organe wie Nieren, Lungen und Herzen aus Transistoren, Stahl und Plastik!

Originalartikel Spiegel 1968: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45465397.html

22. April 2013

Video – Die dunkle Seite der Organtransplantation

von kinesiana

Leben retten durch Organspende – wie informiert ist die Öffentlichkeit?

Ist der Organspender wirklich tot, wenn ihm die Organe entnommen werden? Was ist der Hirntod und wie entstand dieser Begriff überhaupt?

Richard Fuchs zitiert hier u.a. auch den bekannten Kardiologen und Nobelpreisträger Prof. Werner Forßmann: „Die Chancen sind am allergrößten, wenn das Organ einem gesunden und in voller Lebenskraft stehendem Menschen entnommen wird. Deshalb liegt es im Interesse des Empfängers und des Operateurs den sterbenden Spender so früh wie möglich für tot zu erklären, um über ihn verfügen zu können.“

 

 

18. April 2013

Das Lazarus-Phänomen

von kinesiana

Dieser Artikel handelt vom Lazarus-Phänomen. In der deutschen Sprache kennt man diesen Begriff im Zusammenhang mit sogenannten Hirntoten, die sich merkwürdigerweise noch bewegen können. Dies kann mit oder ohne externe Stimulation geschehen und soll durch spinale Reflexe verursacht werden. Dazu an anderer Stelle mehr.

Bei internationaler Recherche findet man jedoch ganz andere Zusammenhänge, die fast alle mit der überraschenden Rückkehr ins Leben von bereits Totgeglaubten zu tun haben. Der Lazarus-Effekt bei Hirnversagen scheint also tatsächlich eine Ausnahme darzustellen…
Aus dem Journal of Royal Medicine stammen die nun folgenden Informationen zum Lazarus-Phänomen oder auch Lazarus-Effekt genannt.
Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs bezieht sich auf die Geschichte von Lazarus, der vier Tage nach seinem Tod von Jesus zum Leben erweckt wurde.
Was ist dran an den Geschichten der in der Leichenhalle wieder Erwachten? Ist das medizinisch möglich oder sind das Märchen und Erfindungen überreizter Gemüter?
Im medizinischen Kontext wurde zum ersten Mal 1993 vom Lazarus-Phänomen berichtet. In diesem Sinn bedeutet es die verzögerte Rückkehr der Spontankreislaufs nach scheinbar erfolgloser Beendigung einer Reanimation.
Auch wenn die medizinischen Erklärungen für dieses Phänomen noch unzureichend sind, besteht kein Zweifel daran, dass Patienten wieder ins Leben zurück kehren können. Meist geschieht dies innerhalb von 10 Minuten nach Beendigung der Reanimation, daher wird empfohlen, die Patienten noch für diese Zeitspanne am Monitor zu überwachen bevor tatsächlich der Tod festgestellt wird.
Hierbei dauerte die Reanimation bei den dokumentierten Fällen zwischen 6 und 75 Minuten. Bei 82% der wieder Erwachten geschah dies innerhalb 10 Minuten, bei einigen von ihnen ließ es sich nicht feststellen, wie lange es dauerte bis der Kreislauf und die Atmung wieder einsetzten, da sie nicht überwacht wurden. Einer der Erwachten fand sich tatsächlich in der Leichenhalle wieder. Zuvor soll er 2 Stunden erfolglos reanimiert worden sein.
Ca. 1/3 der Erwachten konnte ohne gravierende neurologische Folgeerscheinungen nach Hause entlassen werden.
In diesem Artikel werden einige Vermutungen und medizinischen Hintergründe angeführt, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehe. Fachleute können sie jedoch detailliert nachlesen.
Interessant ist aber auch für Laien, dass der Tod nicht als Ereignis, sondern als Prozess bezeichnet wird. Während dieses Prozesses versagen nach und nach die lebenswichtigen Organfunktionen – z. B. auch Atmung und Kreislauf. Wenn diese still stehen, wird häufig der Tod bescheinigt. Allerdings sollte den Angehörigen zunächst mitgeteilt werden, dass die Reanimation nicht erfolgreich war bzw. eine Fortsetzung keinen Erfolg verspricht, der Patient jedoch noch mindestens 10 Minuten am Monitor überwacht wird, um den Tod DANN zweifelsfrei zu bestätigen.
Bereits 1978 sagte WH Süße, dass die gängigen Kriterien des Herz-Kreislauf-Stillstands nur dann ein Hinweis auf den Tod sind, wenn sie lange genug bestehen, dass auch das Gehirn abstirbt.
Könnte man das als den Irreversibilitätsnachweis für Herz-Kreislauf-Stillstand bezeichnen? Ist in diesem Fall eine Organspende nach Herzstillstand überhaupt zu rechtfertigen, da die Organentnahme doch sehr zügig erfolgen muss?
Allerdings wird der Begriff auch zur Beschreibung anderer unerwarteter und/oder unerklärlicher Phänomene benutzt, zum Beispiel für unerwartete Remissionen bei AIDS, das Überleben eines Herzstillstands mit Nahtoderfahrung, in der pädiatrischen Palliativversorgung, wenn ein Kind überraschenderweise überlebt, das dem Tode geweiht war, das unerwartete Überleben eines Massensterbens und spontane Bewegung bei Patienten mit Rückenmarksverletzung oder der Diagnose Hirntod.
Als Lazarus-Vorahnung wird der unerwartete Zustand beschrieben, in dem Patienten kurz vor ihrem Tod noch Appetit bekommen und eine allgemeine Verbesserung erleben
Zuletzt findet noch die Lazarus-Pille Erwähnung: Zolpidem, ein Beruhigungsmittel, kann in einigen Fällen Patienten im Wachkoma ins Bewusstsein zurück holen.

Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2121643/