Physikalische Todesdefinition

von kinesiana

Einen Ausschnitt aus einem sehr interessanten Vortrag von Dr. Paolo Bavastro möchte ich hier vorstellen.

„Ich möchte die Frage von einer anderen Seite beleuchten: hören wir dazu Ausführungen eines Physikers. E. Schrödinger, der Vater der Quantenmechanik, hatte 1944 die Frage gestellt „Wie lassen sich die Vorgänge in Raum und Zeit, welche innerhalb der räumlichen Begrenzung eines lebenden Organismus vor sich gehen, durch die Physik und die Chemie erklären?“ „Was ist das Kennzeichen des Lebens?“ Seine Antwort: „Wenn es fortwährend etwas tut, sich bewegt, mit der Umwelt Stoffliches austauscht usw. und zwar während eines viel längeren Zeit, als wir unter gleichen Bedingungen von einem unbelebten Stück Materie erwarten, dass es in Bewegung bleibe. Damit verschwindet die ganze Körperhaftigkeit, und übrig bleibt ein totes, träges Stück Materie… Der Physiker nennt dies den thermo-dynamischen Gleichgewichtszustand oder den Zustand maximaler Entropie“ Das „Kennzeichen des Lebens“ sei der Widerstand, den es dem Niedergang entgegensetzt – nicht seine Fähigkeit, sich zu reproduzieren, zu wachsen, sich zu entwickeln, sondern dass es in der Lage ist, für eine so lange Zeit „in Bewegung zu bleiben“. Der Kunstgriff, den Tod des Individuums abzuwehren, liegt nach Schrödinger in der „eigentümlichen Anordnung der Moleküle, für die die gewöhnlichen Gesetze der Physik nicht gelten“, begründete (24). Solange ein Mensch, ein Organismus lebt, gelten für ihn die gewöhnlichen Gesetze der Physik nicht; er entzieht sich dem Zerfall, er befreit sich von der Entropie, er entzieht sich dem Gleichgewicht mit der Umgebung: Erst im Tod, nach „Abschluss“ des Sterbeprozesses gelten die Gesetze der Physik, der Entropie: Der Organismus zerfällt, die Organe lösen sich auf, ein thermodynamisches Gleichgewicht wird angestrebt.

Nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, also unter rein physikalischen Betrachtungen, ist der Mensch im Hirnversagen ein Lebender! Wir können Organe eines Menschen im Hirnversagen deshalb funktionsfähig transplantieren, weil sich ein solcher Spender noch nicht dem Zustand der Entropie „verfallen“ ist, also noch lebt!

Halten wir also an dieser Stelle in aller Deutlichkeit fest: Es handelt sich bei den sogenannten „Hirntoten“ biologisch, phänomenologisch, physikalisch und nicht zuletzt sprachlich um lebende Menschen! Es sind schwerstkranke, sterbende Menschen, ein Sterbender ist aber ein noch lebender Mensch. Der Zustand ist medizinisch korrekt zu beschreiben als irreversibles, nekrotisierendes Ganzhirnversagen: diese Patienten sterben trotz intensiv-medizinischer Behandlung in Stunden oder Tagen.“

24 – Fox Keller, Das Leben neu denken, 1998; Schrödinger, Mein Leben, meine Weltansicht, 1989; Schrödinger, Was ist Leben, 1987.

 

gefunden: http://www.initiative-kao.de/vortrag-p-bavastro-01-12-07-organspende-ethische-diskussion.html

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