Leichenspende an Menschen ohne klassische Todeszeichen

von kinesiana

Auch wenn derzeit überall mit den Worten „nach meinem Tod“ für die Leichenspende geworben wird, sind längst nicht alle Fakten so klar wie sie scheinen.

Ein Akt der Nächstenliebe ist leicht vollzogen, wenn er nach meinem Tod stattfindet, denn dann ist es ja egal, ob ich meine Organe verwesen lasse oder noch einem Menschen damit das Leben verlängere. Aber hier liegt der erste Irrtum: eine Leiche ist vorher gestorben. Alle Lebensfunktionen sind erloschen. Im besten Fall konnten die letzten Stunden in Ruhe mit den Angehörigen verbracht werden, der letzte Atemzug erfolgte in Frieden und Würde. Nach einem würdevollen Abschied, der für jeden Menschen, egal welcher Kultur und Religion, einen bedeutenden Abschnitt des Lebens darstellt ist ein Mensch nach klassischem Verständnis tot.

Genau das ist bei einer Leichenspende aber ausgeschlossen. Der Mensch wird in unterschiedlichen Ländern nach unterschiedlichen Kriterien für hirntot erklärt und dann muss es schnell gehen, denn Spendeorgane müssen frisch und in gutem Zustand sein, sie müssen aus einem lebenden Körper entnommen werden, dessen Besitzer eine Schädigung des Gehirns aufweist. Noch beatmet und mit schlagendem Herzen, warm und mit funktionierendem Körper, solange die Hirnschäden durch Beatmung ausgeglichen werden, wird dieser Mensch, der bis zur Feststellung des Hirntodes (dazu ist übrigens laut Richtlinien der Bundesärztekammer kein EEG oder Ultraschall oder anderes bildgebendes Verfahren vorgeschrieben – nur in Ausnahmefällen, s. hier!)  ein Komapatient war, auf den OP-Tisch gelegt und „spendet“ in diesem Zustand seine Organe. Eine Narkose ist in Deutschland derzeit nicht vorgesehen (hierzu mehr: hier).

In folgendem Artikel finden Sie detaillierte juristische und medizinische Informationen, die Sie in Aufklärungsbroschüren meist vergeblich suchen. Selbst im Organspendeausweis steht „nach meinem Tod“.

http://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/was-es-wirklich-bedeutet-organe-zu-spenden-ein-blick-auf-die-dunkle-seite/

Selbst wenn menschliche Irrtümer ausgeschlossen wären und alle als hirntot diagnostizierten Menschen ihre Organe spenden würden, dann gäbe es immer noch zu wenig Organe, um allen Menschen auf der Warteliste zu helfen. Und selbst wenn allen Menschen ein Organ zur Verfügung gestellt werden könnte, dann wären sie damit nicht gesund und frei, sondern müssten Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen einnehmen. Und selbst wenn sie diese Medikamente nicht einnehmen müssten, halten leider häufig auch die gespendeten Organe nicht ewig und es muss das nächste Ersatzorgan her.

Klar und deutlich distanziere ich mich von den Vorwürfen, dass wir kein Mitgefühl für die kranken Menschen, die wirklich dringend Hilfe benötigen, haben. Es kann und darf aber nicht über Verheimlichung von unerwünschten Informationen geschehen. Es muss ehrlich aufgeklärt werden. Auch müssen alle möglichen notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, dass erst garnicht so viele Menschen krank werden (Ernährungsaufklärung, gesunde Ernährung muss finanzierbar sein, ein gesunder Lebensstil muss gefördert werden schon in Kindergarten und Schule – damit wären auf jeden Fall schon die Wartelisten kürzer!) und ebenso die Technik unterstützt werden, die im Ernstfall nebenwirkungsärmer und ohne Menschenopfer Organfunktionen ersetzen kann. Erfolgreiche Ansätze sind bereits vorhanden und wir leben im Zeitalter der rasenden Technik…

Die Menschen, die an der Aufklärung nach bestem Wissen und Gewissen beteiligt sind wünschen selbstverständlich für alle Mitmenschen, die krank sind und auf einer Warteliste stehen, dass diesen möglichst schnell auf humane Weise geholfen wird, gerne vorübergehend auch noch durch Empfang eines Spenderorganes von einem Menschen, der wirklich spendet und schenkt, indem er aufgeklärt seine Organe der Nachwelt zur Verfügung stellt.

 

 

 

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