Zum Hören: Ein Feature über Organspende

von kinesiana

Es geht um Organspende. In Deutschland ist bisjetzt die Organentnahme nur bei nachgewiesenem Hirntod erlaubt. Aber die Organe sind knapp, die Wartelisten lang und die aktuelle Skandalwelle sorgt dafür, dass Menschen abgeschreckt sind und nicht für Geschäfte zur Verfügung stehen wollen – die Spenderzahlen sinken.

In Nachbarländern ist die Entnahme der Organe teilweise jedoch auch unter anderen Voraussetzungen erlaubt: beim Herztod.

Núñez Peña warb bereits 2006 in einer Veröffentlichung, dass herztote Spender eine ausgezeihnete Wahl seien, um den Spenderpool zu vergrößern. Kommt diese Option auch auf uns zu? Hat Spanien auch aus diesem Grund wesentlich kürzere Wartelisten für Organempfänger als Deutschland?

Die Organe sind frisch, sie stammen nicht von Patienten, die schon längere Zeit auf der Intensivstation gelegen haben und sind daher nicht der Infektionsgefahr ausgesetzt – so Núñes Peña.

Bei einem plötzlichen Herzversagen wird auch in Spanien reanimiert. Häufig fährt in Madrid zusätzlich zum Rettungswagen hierfür auch eine Polizeikonsorte, damit die Amulanzen nicht an den Ampeln stoppen müssen, sondern schnell in die Klinik kommen. Die Reanimation wird auf jeden Fall fortgesetzt, bis der Patient im Krankenhaus ist, damit wenigstens die Organe gerettet werden können.

Doch auch wenn nur jeder 10.  Patient mit Herzstillstand, überlebt, so gibt es doch Überlebende. So auch das prominente Beispiel Fabrice Muamba. Der englische Fußballspieler brach im März 2012 auf dem Platz zusammen und sein Herz konnte adhoc auch mit Stromstößen nicht wieder zum Schlagen gebracht werden. nach 78 Minuten Reanimation jedoch geschieht das Wunder: Das Herz schlägt weiter! Muamba konnte bereits nach 1 Monat wieder aus der Klinik entlassen werden.  Hätte er auch in Madrid überlebt?

Auch in England, ebenso wie in den Niederlanden und den USA werden Organe nach dem Herztod zur Organspende verwendet, allerdings mit dem Unterschied, dass dort die Patienten vor ihrem Herzstillstand auf der Intensivstation gelegen haben müssen.

Martina Keller hat recherchiert und hat miterlebt, wie eine solche Prozedur sich abspielt. Sie beschreibt den Weg des eingelieferten Patienten bis zum OP-Tisch und beim Zuhören entwickelt man eine Vorstellung von diesem Procedere, bei dem der Patient zum Spender wird. Frau Kellers Beschreibung ist nachvollziehbar und fühlbar und mir machte sie Gänsehaut. Ihre Frage nach Begründung  der Todesfestellung bleibt unbeantwortet.

Noch ist die Praktik der Organentnahme nach Herztod in Deutschland unter Strafe verboten, jedoch kündigt sich bereits leise eine Veränderung an. Laut Wolf Bechstein, dem Präsidenten der Deutschen Transplantationsgesellschaft, wurde auf der letzten Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Regensburg in einer Sondersitzung mit Juristen und Referenten aus dem Ausland diese Frage bereits diskutiert und stieß auf großes Interesse. Näheres hierzu im Originalbeitrag…

Weitere Themen im Feature sind Organspende nach Euthanasie und ein äußerst aufschlussreiches Interview mit Herrn Bechstein sowie die Frage nach dem Hirntod. Es lohnt sich also wirklich, diesen Beitrag anzuhören!

Quelle zum Hören: http://gffstream-1.vo.llnwd.net/c1/m/1342952447/radio/dok5_feature/wdr5_dok_5_das_feature_20120722_1200.mp3

Quelle zum Lesen: http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Dok5_das_Feature/2012/Juli/Manuskripte/07_22_Die_Untoten.pdf

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