Archive for August, 2012

31. August 2012

Was steht (noch) nicht im Organspendeausweis?

von kinesiana

In der Sendung Frontal 21 vom 28.08.12 wird im Beitrag „Das neue Organspendegesetz“ umfassend aufgeklärt: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/Frontal-21/2942216/24069134/71531d/Das-neue-Organspendegesetz.html

Flotte Werbung und Ansprache des Mitgefühls und der Nächstenliebe sollen jeden Bürger ab 16 Jahren dazu bringen, seine Organe zu spenden. Doch weiß der Bürger wirklich, was er unterschreibt? Frontal 21 klärt vielseitig auf.

Hierbei kommen auch Kontroversen zur Sprache:

Der Transplantationsmediziner Professor Gundolf Gubernatis vertritt die Überzeugung, dass eine vielschichtige und kritische Aufklärung stattfindet. Er befürchtet, dass die einfachen Werbekampagnen das Gegenteil des gewünschten Effenkts bewirken können, da der mündige Bürger sich über den Tisch gezogen fühlen könnte.

Interviewte Menschen zeigen sich ängstlich, dass Kriminalität im Spiel sein könnte und dass sie vielleicht schneller abgeschaltet werden, weil dringend Organe gebraucht werden.

Wissen SIE zum Beispiel, dass ein Kreuz beim JA ohne Einschränkungen bedeutet, dass alle tranplantierbaren Organe, Augenhornhaut und andere Gewebe zum Teil für die klassische Organspende, aber auch die pharmakologische Weiterverarbeitung verwendet werden?

Wissen SIE, dass der Hirntod nicht dasselbe wie der Tod ist? Gehirn- und Atemzentrum fallen zwar aus, aber andere Organe funktionieren noch. Organentahme kann aber nur bei Hirntoten erfolgen, nicht bei Leichen, denn sie müssen frisch sein. Es handelt sich um lebende Menschen, die sich in ihrem Sterbeprozess befinden.

Wissen SIE, dass der Patient noch Stunden bis Tage intensivmedizinisch am Leben gehalten wird? Daher besteht auch ein Widerspruch zur Patientenverfügung, die für einen würdevollen Tod lebenserhaltende Maßnahmen ablehnt. Frau Prof. Manzei sagt hierzu: „Mit einem würdevollen Tod hat das nichts zu tun.“

Wissen SIE, dass der Hirntod als Todesdefinition sowohl national als auch international diskutiert wird?

Wissen Sie, dass auch Ärzte nicht sicher wissen können, was Patienten auf tieferen Ebenen als denen des Wachbewusstseins noch erleben und wahrnehmen?

Wissen Sie, dass auch ein Teil der Juristen den Hirntod sehr kritisch sieht?

Prof. Gubernatis empfiehlt, dass der Tod als gesellschaftliches Thema auch gesellschaftlich diskutiert werden sollte. Einen naturwissenschaftlichen Beweis gebe es nicht!

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30. August 2012

Hirntod – Organspende – Irrtum?!? 19-jährige nach Hirntoddiagnose aufgewacht

von kinesiana

So geschehen in Dänemark im Oktober 2011.

Heute ist Carina fast vollständig genesen. Noch vor einigen Monaten rang sie nach einem Autounfall um ihr Leben. Da ihr Gesundheitszustand sehr bedenklich war, wurde den Eltern die Frage gestellt, ob sie lieber die Geräte abschalten möchten, da Carina bestenfalls schwer behindert werden würde oder ob die Geräte weiter laufen sollen – zum Zwecke der Organspende. Nachdem den Eltern mehrfach versichert worden war, dass keinerlei Hirnaktivität mehr vorhanden sei, stimmten sie einer Organentnahme bei ihrer Tochter zu. Warum Carina noch lebt, können Sie hier nachlesen:

http://www.bild.de/news/ausland/organspende/hirntote-patientin-wacht-in-klinik-wieder-auf-25914394.bild.html

http://nachrichten.rp-online.de/panorama/19-jaehrige-nach-hirntod-diagnose-aufgewacht-1.2972971

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt, dass dies in Deutschland nicht geschehen kann und die Hirntoddiagnose absolut sicher sei. Bis vor kurzem wurde auch für ausgeschlossen erklärt, dass Organe aus persönlichen Motiven an der Warteliste vorbei vergeben werden. Wie soll ausgeschlossen werden, dass nicht auch bei der Hirntod-Diagnostik Fehler vorkommen, so wie in diesem und einigen anderen international bekannten Fällen?

Auch wenn immer wieder davon ausgegangen wird, dass in Deutschland eine Null-Linie des EEGs vorhanden sein muss oder bildgebende Verfahren die Diagnose Hirntod untermauern müssen, so ist das nicht zwingend der Fall! Der Hirntod kann häufig ohne diese technischen Hilfsmittel diagnostiziert werden. Die genauen Kriterien können Sie hier nachlesen:

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.45.3252

 

 

30. August 2012

Albtraum Organspende?

von kinesiana

Der Skandal der Empfängerseite ist offensichtlich und unüberhörbar. Gesetzesänderungen werden diskutiert.

Menschen, auch Ärzte, sind fehlbar, davon kann sich niemand ausnehmen. Fehler können vorkommen und das tun sie auch und im Skandal Göttingen, Regensburg und ehemals im Kosovo wurde das auch der Öffentlichkeit zugänglich. Geld spielt offensichtlich, nein bisher noch vermutlich, eine Rolle.

Aber was ist mit der anderen Seite, den Organspendern? Findet hier die Ausnahme statt? Sind hier Fehler wirklich auszuschließen? Verliert der finanzielle Anreiz hier ganz sicher und garantiert seine Wirkung?

Einen kritischen Artikel habe ich hier gefunden:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-wisnewski/organspende-vorsicht-mord-.html

 

28. August 2012

Video – Hirntod als Entnahmekriterium

von kinesiana

In diesem Interview mit Frau Prof. Alexandra Manzei geht es nicht um den Skandal der ungerechten Organverteilung, sondern es setzt eine Stufe vorher an: Wie tot ist hirntot?

Sie erklärt, in welchem Zustand einem Menschen Organe entnommen werden können, die dann als Spenderorgane anderer Menschen Leben retten können: „Leichenteile kann man nicht verpflanzen. Wenn man Leichenteile verpflanzen könnte, gäbe es keinen Organmangel, denn Leichen haben wir genug.“

Das ganze Interview können sie in der ZDF-Mediathek anschauen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1717930/Hirntod-als-Entnahmekriterium#/beitrag/video/1717930/Hirntod-als-Entnahmekriterium

27. August 2012

Erste Ergebnisse des Spitzentreffens

von kinesiana

NEWS: Wie die Berliner Morgenpost berichtet, soll der Organspende-Skandal zu den Akten gelegt werden.

Besprochen wurden folgende Themen:

  • Kontrollen sollen verschärft werden
  • Manipulationen sollen härter bestraft werden
  • alle Transplantationszentren sollen künftig regelmäßig unangekündigt kontrolliert werden
  • bisher geheim gehaltene Prüfberichte der Bundesärztekammer sollen 1 mal jährlich veröffentlicht werden
  • Streichung von Bonuszahlungen
  • Beteiligung von mindestens 3 Ärzten an der Entscheidung „Mehr-Augen-Prinzip“
  • bessere Dokumentation von Transplantationen in Eilfällen unabhängig von der Warteliste
  • Bund und Länder erhalten Sitz und Stimme bei der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation)

Die Organspende ganz in staatliche Hände zu legen, wie von Patientenschützern und der Opposition gefordert, lehnte Daniel Bahr ab.

Kritische Stimmen:

  • Johannes Singhammer/CDU spricht vom ersten Schritt, dem ein großer Sprung folgen muss. Er kritisiert, dass die ca. 50 Transplantationszentren weiterhin nach Fallpauschalen bezahlt werden und fordert eine klare staatliche Aufsicht.
  • Martina Bunge/Die Linken ist der Meinung, die Entscheidungen über Organsisation, Verwaltung und Vergabe von Organen müsse der öffentlichen Kontrolle unterliegen
  • Harald Terpe/die Grünen kritisierte: „Die Vorschläge sind pure Kosmetik.“
  • Von der Deutschen Hospizstiftung wird Bahr Flucht vor der Verantwortung vorgeworfen.
  • Kathrin Vogler/Die Linken findet die Ankündigung schärferer Kontrollen durch die Gremien der Ärzteschaft nicht glaubwürdig, denn diese wussten schon lange von den Vorfällen, wurden aber erst als die Presse Wind bekam, aktiv

Die Berichte der Prüfkommission wurden von der Bundesärztekammer erstmals veröffentlicht. Hierin heißt es, zwischen 2000 und 2011 seien bei 50.739 Transplantationen 31 Verstöße festgestellt worden, von denen 21 den Behörden gemeldet wurden.

Allerdings räumt der Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ein, dass nur Stichproben untersucht wurden und die neuen Fälle in der Statistik nur teilweise enthalten seien.

Stichproben seien aber – so Eugen Brysch – jedoch nur bei ca. 1-5% der Transplantationsfälle durchgeführt worden…!

Quellen:

http://www.gkv-spitzenverband.de/presse/agenturmeldung?id=gkv-agenturmeldungen-275

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organspende-bahr-sagt-mehr-staatliche-kontrolle-zu-a-852253.html

http://www.stern.de/news2/aktuell/mit-kontrollen-gegen-missbrauch-bei-transplantationen-1885160.html

http://www.welt.de/newsticker/news1/article108809269/Mit-Kontrollen-gegen-Missbrauch-bei-Transplantationen.html

27. August 2012

TV-Organspende-Beitrag – Diskussion zur Entscheidungsfindung

von kinesiana

Organspende -Geschenktes Leben oder unwürdiger Tod?

Diskussionsrunde mit der Journalistin Martina Keller, dem Transplantationschirurgen und Mitglied des Deutschen Ethikrats Eckhard Nagel, der Organempfänger Peter Hellriegel, eine Mutter, die beschloss die Organe ihres Kindes zu spenden, Frau Trojan und der Kardiologe Paolo Bavastro.

Zum Anschauen: http://www.wdr.de/tv/westart/sonntag/sendungsbeitraege/2012/0318/index.jsp

 

27. August 2012

Zum Hören: Ein Feature über Organspende

von kinesiana

Es geht um Organspende. In Deutschland ist bisjetzt die Organentnahme nur bei nachgewiesenem Hirntod erlaubt. Aber die Organe sind knapp, die Wartelisten lang und die aktuelle Skandalwelle sorgt dafür, dass Menschen abgeschreckt sind und nicht für Geschäfte zur Verfügung stehen wollen – die Spenderzahlen sinken.

In Nachbarländern ist die Entnahme der Organe teilweise jedoch auch unter anderen Voraussetzungen erlaubt: beim Herztod.

Núñez Peña warb bereits 2006 in einer Veröffentlichung, dass herztote Spender eine ausgezeihnete Wahl seien, um den Spenderpool zu vergrößern. Kommt diese Option auch auf uns zu? Hat Spanien auch aus diesem Grund wesentlich kürzere Wartelisten für Organempfänger als Deutschland?

Die Organe sind frisch, sie stammen nicht von Patienten, die schon längere Zeit auf der Intensivstation gelegen haben und sind daher nicht der Infektionsgefahr ausgesetzt – so Núñes Peña.

Bei einem plötzlichen Herzversagen wird auch in Spanien reanimiert. Häufig fährt in Madrid zusätzlich zum Rettungswagen hierfür auch eine Polizeikonsorte, damit die Amulanzen nicht an den Ampeln stoppen müssen, sondern schnell in die Klinik kommen. Die Reanimation wird auf jeden Fall fortgesetzt, bis der Patient im Krankenhaus ist, damit wenigstens die Organe gerettet werden können.

Doch auch wenn nur jeder 10.  Patient mit Herzstillstand, überlebt, so gibt es doch Überlebende. So auch das prominente Beispiel Fabrice Muamba. Der englische Fußballspieler brach im März 2012 auf dem Platz zusammen und sein Herz konnte adhoc auch mit Stromstößen nicht wieder zum Schlagen gebracht werden. nach 78 Minuten Reanimation jedoch geschieht das Wunder: Das Herz schlägt weiter! Muamba konnte bereits nach 1 Monat wieder aus der Klinik entlassen werden.  Hätte er auch in Madrid überlebt?

Auch in England, ebenso wie in den Niederlanden und den USA werden Organe nach dem Herztod zur Organspende verwendet, allerdings mit dem Unterschied, dass dort die Patienten vor ihrem Herzstillstand auf der Intensivstation gelegen haben müssen.

Martina Keller hat recherchiert und hat miterlebt, wie eine solche Prozedur sich abspielt. Sie beschreibt den Weg des eingelieferten Patienten bis zum OP-Tisch und beim Zuhören entwickelt man eine Vorstellung von diesem Procedere, bei dem der Patient zum Spender wird. Frau Kellers Beschreibung ist nachvollziehbar und fühlbar und mir machte sie Gänsehaut. Ihre Frage nach Begründung  der Todesfestellung bleibt unbeantwortet.

Noch ist die Praktik der Organentnahme nach Herztod in Deutschland unter Strafe verboten, jedoch kündigt sich bereits leise eine Veränderung an. Laut Wolf Bechstein, dem Präsidenten der Deutschen Transplantationsgesellschaft, wurde auf der letzten Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Regensburg in einer Sondersitzung mit Juristen und Referenten aus dem Ausland diese Frage bereits diskutiert und stieß auf großes Interesse. Näheres hierzu im Originalbeitrag…

Weitere Themen im Feature sind Organspende nach Euthanasie und ein äußerst aufschlussreiches Interview mit Herrn Bechstein sowie die Frage nach dem Hirntod. Es lohnt sich also wirklich, diesen Beitrag anzuhören!

Quelle zum Hören: http://gffstream-1.vo.llnwd.net/c1/m/1342952447/radio/dok5_feature/wdr5_dok_5_das_feature_20120722_1200.mp3

Quelle zum Lesen: http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Dok5_das_Feature/2012/Juli/Manuskripte/07_22_Die_Untoten.pdf

27. August 2012

Organspendeskandal – Einzelfall oder nur die Spitze des Eisberges?

von kinesiana

In ihrem gut recherchierten Artikel „Die Legende vom Einzelfall“ beschreibt Frau Silvia Matthies, eine Journalistin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit medizinethischen Themen befasst, dass Ungereimtheiten und Unregelmäßigkeiten bezüglich Organspende und Organvergabe gut dokumentiert und belegt sind – und das nicht erst hochaktuell und völlig überraschend, sondern seit vielen Jahren und wohlbekannt in den Fachkreisen.

Derzeit stellt sich die Frage, ob die Verteilung der Spenderorgane gerecht zu geht. Aber ist das wirklich die einzige Schwachstelle im derzeit scharf hinterfragten System?

Ist es möglich, dass auch minderwertige Organe transplantiert werden?

Ist es in Deutschland möglich, durch Barzahlung ein benötigtes Organ zu kaufen?

Interessante Einzelheiten erfahren Sie hier:

Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-legende-vom-einzelfall

25. August 2012

Forderung nach Organisation auf Bundesebene

von kinesiana

Rüdiger Strehl, der Generalsekretär des Verbandes der Unikliniken Deutschlands, wirft die Frage nach dem Vertrauensstatus deutscher Spitzenmediziner auf. Nach dem Skandal wird mehr Kontrolle und eine neue Ethik gefordert.

Obwohl bereits 2006 der Prüfbericht der Bundesärztekammer bei den Transplantationsmedizinern heftig diskutiert wurde, sei im Berufungsverfahren von den Gutachtern 2009 im Götinger Skandal in keinster Weise auf die Anschuldigungen gegen den Hauptverdächtigen im Fall Regensburg eingegangen worden. Es handele sich hierbei um Hochschullehrer. Wussten sie nichts von der Tätigkeit des Arztes in Regensburg? Bis heute haben die Gutachter, so Strehl, dazu nicht Stellung bezogen. So wird der Ruf nach unabhängigen Gutachtern lauter.

Auch habe die Bundesärztekammer die Akten über Monate selbst untersucht, ohne weitere Instanzen einzuschalten.

Ein weiterer Punkt, den der Autor in dem besagten Artikel hinterfragt, sind die finanziellen Anreize in der Hochleistungsmedizin. Bekannt ist, dass mit dem Hauptverdächtigen abhängig von der Anzahl der Lebertransplantationen variable Vergütungen vereinbart waren.

Interessante Hintergründe mit Einblicken hinter die Kulisse können Sie in der Neuen Zürcher Zeitung nachlesen:

http://www.nzz.ch/meinung/debatte/mehr-vernunft-in-der-transplantationsmedizin-1.17516890