Die Würde des Menschen ist unantastbar!

von kinesiana

Auf diesen Seiten möchten wir wissenschaftliche Fakten über das Thema Hirntod und Organspende, aber auch Anregungen und Gedankenanstöße zum Thema Menschenwürde zur Verfügung stellen.

Wir – das sind betroffene Angehörige ebenso wie Ärzte und Wissenschaftler, die mit dieser Thematik Erfahrungen vorweisen und für Aufklärung plädieren.

Zur Einstimmung hier nun ein Interview aus dem Deutschlandradio vom Stuttgarter Kardiologen und Chefarzt Dr. Bavastro, der eine schwangere hirntote Patientin behandelt hat, deren Kind auch durch Kaiserschnitt auf die Welt kommen durfte:

Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen!

Lange Zeit – fast bis dato – war für mich der Organspendeausweis ein Akt der Nächstenliebe. Welche Schattenseiten sich dahinter verbergen, war mir ebenso wenig bewusst wie wohl den allermeisten Mitmenschen auch. Ich dachte, wenn ich tot bin, dann merke ich nichts mehr und somit kann ich ohne eigenes Leid kranken Menschen einen lebensrettenden Dienst erweisen.

Aber:

Wann ist ein Mensch wirklich tot? Wenn bestimmte Areale des Gehirns nicht mehr funktionieren? Wenn das Herz nicht mehr schlägt? Wenn er nicht mehr selbständig atmen kann? Wenn er nicht auf Reize reagieren kann? Wenn das hormonelle System versagt?

Wenn all das als vorübergehender Zustand als akzeptabel toleriert wird: Wie lange darf die Regeneration dauern?

Wann ist ein Leben noch lebenswert? Ab welchem Grad zu erwartender Restschäden wird ein Mensch zur Belastung? Für wen und wer entscheidet das, wenn er nicht mehr ansprechbar ist?

Wie sicher ist die Hirntoddiagnose wirklich und wie hoch ist das zu duldende Restrisiko einer Fehldiagnose?

Wie behandelt man einen Menschen im Koma? Meiner Meinung nach so, als würde er jedes Wort verstehen und jede Berührung wahrnehmen, auch wenn er nicht offensichtlich dazu in der Lage ist, darauf zu reagieren. Doch ist das der Alltag am Krankenbett – der respektvolle sensible Umgang mit schwer kranken Menschen?

Mit diesen Fragen mussten wir uns befassen, da wir knallhart mit der Realität konfrontiert wurden. Teile unserer Geschichte werde ich niederschreiben während ich mich derzeit noch im Verarbeitungsprozess eines schmerzhaften Verlustes befinde.

Kranke Menschen brauchen ihre individuelle Zeit zur Genesung. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die hier mit Quellenangaben veröffentlicht werden, belegen, dass auch schwerst schädel-hirn-traumatisierte Menschen, auch schwere hypoxische Schädigungen, nicht aussichtslos sind, nicht zum Tode verurteilt sein müssen. Wenn kein Hirntod sicher festgestellt wurde, und auch über diese Sicherheit möchten wir diskutieren, besteht die Möglichkeit und der Anspruch – wenn auch nicht die Gewissheit! – auf Frührehabilitation und gezielte intensive Förderung. Auch beatmete Patienten haben den Anspruch und die Chance auf eine solche Rehabilitation. Erst im Laufe der Zeit und unter Beobachtung eines längeren Verlaufes lassen sich die Prognosen sicherer einschätzen.

Liegt nun entweder eine Zustimmung zur Organentnahme vor oder der Patient hat ein gewisses Alter erreicht, werden leider „manchmal“ diese Chancen nicht wahrgenommen und die Schädigungen vorschnell als irreversibel bezeichnet.

Ich bitte jeden Leser uns seine persönlichen Erfahrungen mitzuteilen. Auch wissenschaftliche und medizinische Informationen sind sehr willkommen, denn uns liegt nicht an reißerischen Reportagen aus Profitgründen sondern daran, realistische Aufklärung für Laien, auch für potentielle Organspender, zu erwirken.


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5 Kommentare to “Die Würde des Menschen ist unantastbar!”

  1. Guten Tag
    Die Frage ist natürlich aus welcher Richtung man dieses Thema betrachtet. In dieser Sache wohl aus der Richtung Organspende.

    Der „ersten“ Angst, (im Zusammenhang unter unseren wettbewerbsorientierten Strukturen) es könnte zu einem „gnadenlosem“ Business führen, ist es wohl geschuldet auch zu analysieren was ein breiteres Angebot an Organspende für die „Sparte“ Hirntot bedeutet. Ich benutze „Sparte“ weil es weit mehr Quellen gibt, von woher Organe kommen können. So ist ein „klarer“ Unfalltot oder natürliches Ableben als auch der Tod nach einer Krankheit ebenfalls eine Möglichkeit Organe ohne jede moralischen Zweifel über „Tot oder noch nicht Tod“ zu spenden. Man versucht nun aufgrund von sehr großem Mangel an Organen mehr Möglichkeiten auszuschöpfen um Spender zu finden. Eben unter anderem, dass nun die KK Befragungen herausschicken. Man kann damit die Menschen erreichen, die bisher schon den Willen dazu haben, aber diesen noch nicht in die Praxis umgesetzt haben oder es vielleicht zumeist auch nie tun.

    In einer anderen Diskussion habe ich schon darauf hingewiesen, dass in der DDR diese Problematik genau umgekehrt gelöst wurde. Jeder war mit seiner Geburt automatisch Spender und musste mit seinem Willen zum „Nein“ aktiv werden und diesen Quasi schriftlich festlegen. Diese Lösung finde ich daher von Vorteil, da die „Nicht-Aktiven“ die größte Menge in jeder Gesellschaft ausmachen. Gerade in einer Demokratie, die vom Mitgestalten lebt, macht es diese größte (zähe) Menge sehr viel aus wenn es um Entscheidungen geht. Von daher halte ich ein System, welches den passive Bürger nicht nicht entscheiden lässt für vornehmlich.

    Ein weiterer Punkt ist die Geschäftemacherei mit Not. Es sollte Vorgaben geben, die es unmöglich machen exorbitante Gewinne aus Organverpflanzungen zu erzielen. So kann einem Missbrauch ebenfalls vorgebeugt werden, schließlich und so sollte es auch zukünftig sein, ist die Spende ja auch ohne Entlohnung an die Hinterbliebenen.

    Zurück zur Sparte „Hirntot, Tod oder noch nicht Tod“. Gerade wenn der Bereich der Organspende durch andere Quellen weitgehend abgedeckt ist, lässt er genau dieser Sparte doch viel mehr Raum und Zeit um mehr Fakten zu schaffen und weiter daran zu forschen. Ob ein Leben an Maschinen noch Lebenswert ist oder nicht, kann so mit viel weniger Druck und schon gar nicht mehr aus der Richtung der Ethik von Organspenden abhängig gemacht werden. Es ist ein sehr sensibler Bereich, da gerade die Entscheidung Angehörigen oder Ärzten zufällt und diese damit noch eine ganze Weile leben müssen. Die Diskussion dahingehend, stellt aber unser gesamtes Gesellschaftssystem in Frage. Die Oma im Altersheim zum Sterben hinterlassen oder über Grundrenten entscheiden, die die Qualität der Pflege sehr kontraststark ausfallen lässt. Alles das ist schon ein Punkt ob man noch von erfülltem, würdevollem Leben sprechen kann.

  2. Es ist ein Skandal, wie mit dem Thema Organspende verfahren wird, die Bevölkerung wird überhaupt nicht aufgeklärt darüber, wie der „Tod“ eines Menschen festgestellt wird und wie sehr er noch leben „muß“, um „funktionsfähige Organe abgeben zu können“! Ich glaube es wird hier bewußt nicht ordentlich aufgeklärt, um eine Spende anzuregen! Ich fände im Prinzip eine Organspende Ok, wenn ich nicht mein eigenes Leben evtl. verlieren würde. Daß ich freiwillig Organe spende und Ärzte Vergütungen erhalten, allein für die Frage nach Organspenden ist ein Skandal ohne gleichen!
    Wenn ich krank bin, wohin soll ich gehen, wenn ich leben will?

  3. Menschenwürde ist ein Begriff, der in der deutschsprachigen Rechtsphilosophie und Rechtstheorie für bestimmte Grundrechte und Rechtsansprüche des Menschen steht (dies ist von der umgangssprachlichen Bedeutung des Begriffes Würde zu unterscheiden). Im modernen Sinne versteht man darunter, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und anderer Merkmale wie Geschlecht, Modify und Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, die Würde.

    Der Begriff Menschenwürde ist verwurzelt in einer christlichen Custom und beinhaltet damit eine bestimmte Sicht auf Menschenrechte. Auf rechtsphilosophischer Ebene sind Menschenrechte u. a. durch Menschenwürde im deutschen Grundgesetz verankert. Auf rechtstheoretischer Ebene erhebt sich damit die Frage, inwiefern die Weiterentwicklung von Gesetzen, die die Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Recht auf Selbstbestimmung, Schutz vor Folter und Hinrichtung, Recht auf Teilhabe und Gesundheit einschränken, auf der Grundlage der Menschenwürde stattfinden kann. Innerhalb der deutschen Rechtstheorie wird die Vorstellung, dass die Menschenwürde als ethisches Grundprinzip zeitlos ist und als Maßstab über jeder Staatsform steht, trotz verfassungsrechtlicher Verankerung nicht von allen angenommen.

    Auf weltanschaulich-religiöser Ebene wird diskutiert, was unter Menschenwürde bei den rechtsethischen Fragen des Lebensbeginns und des Lebensendes verstanden wird. Aus psychologischer Sicht wurde der Begriff der Menschenwürde von Leon Wurmser konkretisiert. Er versteht die Scham als Hüterin der menschlichen Würde.

    Andere Rechtstraditionen berufen sich oft nicht auf ein Prinzip der Menschenwürde, um Menschenrechte herzuleiten. Sie sehen Menschenrechte an sich als primäres unveräußerliches Gut und Naturrecht an, und leiten sie aus anderen Prinzipien he.

  4. Vortrag incl. Video eines „Hirntoten“ von Roberto Rotondo: http://www.untot.info/210-0-WIE-TOT-IST-HIRNTOT.html

    Da schon Jugendliche mit dem Thema Organspende konfrontiert werden und mit 16 Jahren schon einen Organspendeausweis ausfüllen dürfen, sollten sie wirklich über mehr informiert sein als über den Akt der Nächstenliebe.

    Bitte in die Alternativen investieren, das nutzt auch den Organempfängern!!

  5. Hier habe ich eine Studie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) von 2010 gefunden, in der die Einstellung, das Wissen und das Verhalten der Pflegekräfte zum Thema Organ- und Gewebsspende ermittelt wurden.

    Zu der Gruppe der Pflegekräfte werden auch (in dieser Studie insbesondere) die Menschen, die auf einer Intensivstation arbeiten, gezählt, die sehr oft oder sogar logischer Weise Kontakt mit den Angehörigen haben. – Die Pflegekräfte allgemein stellen das Bindeglied im gesamten Transplantationsablauf dar.

    Ein paar Ergebnisse:
    Sind Ihnen die Hirntodkriterien bekannt?
    Nur 4 Prozent der befragten Pflegekräfte sind die Hirntodkriterien nicht bekannt. (wird dort hervorgehoben) und dass ca. 50% aller Befragten, (nochmal zur Betonung, es handelt sich insbesonder um Pflegekräfte die in Khs mit neurologischer Intensivstation und/oder Transplantationsabteilung arbeiten), anworten, nur einige Hirntodkriterien zu kennen, kann man zwar auf Seite 51 heraus lesen wird aber nicht hervorgehoben.

    Ist der Hirntod für Sie gleichbedeutend mit dem Tod des Menschen? (Seite 52)
    Hervorgehoben wird, dass für drei Viertel der Pflegekärfte der Hinrtod gleichbedeutend ist mit dem Tod des Menschen. Das ist natürlich signifikant ! – Anders ausgedrückt ist jeder 4. nicht davon überzeugt, dass ein Hirntoddiagnostizierter wirklich tot ist.

    82% der Pflegekräfte empfinden die Kommunikation mit Angehörigen eines hirntoten Menschen als belastend und 5% haben keine Angabe gemacht, womit wir schon fast bei 90% sind. – Wenn sowieso jede zweite Pflegekraft auf einer Intensivstation nicht in der Lage ist, mir zu erklären wann ein Mensch wirklich HIRNTOT ist, sprich die Kriterien erfüllt, dann wundert mich es nicht, dass die Kommunikation belastend ist, denn zu dem ist ja jede 4. Pflegekraft nicht mal davon überzeugt, dass der Hirntote wirklich tot ist.
    Wer mag das schon vermitteln ?

    Bei diesem Kommentar geht es mir nicht darum die Pflegekräfte zu diffamieren, sondern einmal mehr darum, aufzuzeigen, wie uneins die Menschen in Sachen Hirntod und Organspende sind.
    Und so lange die Menscheit sich nicht einig ist, dass der Hirntod den Tod des Menschen bedeutet, so wie sie es z.B. bei den ersten Verwesungsanzeichen ist, so lange darf auch kein Mensch explantiert werden.

    Wenn jede 4. Pflegekraft Hirntote für nicht tot also lebendig hält, dann bedeutet die Organentnahme einen Tatbestand der sehr viele ungeheuerliche Beschreibungen zuläßt. – Ein Gesetzt wie das TPG ändert daran auch nichts oder macht es wahrer oder richtiger!

    http://www.organspende-info.de/downloads/24-134-798/Pflegestudie-Veroeffentlichung-final.pdf

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